Eine Frage der Haltung

Veröffentlicht am 01.08.22

Wie lässt sich der hohen Rate an Sectios in Deutschland entgegenwirken? Diese Frage stellten sich Forscherinnen* und überlegten, inwiefern ein verändertes Setting Auswirkungen auf den Geburtsmodus und die Selbstbestimmtheit der Frauen haben kann. In der Be-Up-Studie, die in Kooperation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule für Gesundheit in Bochum durchgeführt wurde, wurde ein alternativer Gebärraum entwickelt. Dort befand sich kein Gebärbett wie üblicherweise im Kreißsaal, sondern stapelbare Schaumstoffwürfel, Gebärhocker und Bodenmatratzen. Zudem standen Getränke und Snacks für die Gebärende griffbereit. Zwischen 2018 und 2021 nahmen insgesamt 3.815 in 22 Kliniken teil. Per Zufallsprinzip gebaren die Teilnehmerinnen entweder in einem Be-Up-Gebärraum oder in einer klassischen Gebärumgebung. Das Ergebnis überrascht: In beiden Vergleichsgruppen stieg der Anteil der vaginalen Geburten von durchschnittlich 74 Prozent auf ganze 89 Prozent.

Dass zwischen den Gruppen kein signifikanter Unterschied besteht, kann im Hawthorne-Effekt begründet sein, nach dem das Bewusstsein, an einer Studie teilzunehmen, Einfluss auf das Ergebnis hat. Bemerkenswert: Je aufrechter die Körperposition war, desto selbstbestimmter erlebten die Frauen die Geburten. Dies wurde u.a. mithilfe eines Fragebogens ermittelt. Wer sich detaillierter über die Ergebnisse informieren möchte, hat am 18.10 und 7.11. jeweils um 14-16 Uhr dazu Gelegenheit. An diesen beiden Terminen findet eine Online-Präsentation zur Be-Up-Studie statt. Hier geht’s zur Anmeldung: https://mluconf.uni-halle.de