Wenn das Baby friedlich schläft, scheint alles in Ordnung zu sein. Wäre da nicht die Sorge vor SIDS, dem plötzliche Kindstod.

Ursache für SIDS offenbar gefunden

Veröffentlicht am 30.05.22

Der plötzliche Kindstod ist ein Schreckensszenario, das viele Eltern umtreibt, auch wenn die Zahlen in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig sind. Empfehlungen wie das Schlafen im Schlafsack, eine nicht zu warme Umgebungstemperatur und vor allem das Verhindern der Bauchlage haben Eingang in den Betreuungsalltag jedes Wochenbetts gefunden. Dennoch ist ein Aspekt am Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) besonders schwierig, für Hebammen wie für Eltern. Die Ursache ist bis heute unbekannt, dementsprechend hat man keine diagnostische Handhabe. Warum Babys ohne Warnzeichen im Schlaf versterben, das trieb auch die Australierin Dr.in Carmel Therese Harrington um. Nachdem sie persönliche Erfahrungen mit SIDS durchleben musste, konzentrierte sich die Biochemikerin auf ihre Forschung und hat nach 29 Jahren möglicherweise einen Durchbruch erzielt. Eine von mehreren Theorien für mögliche Ursachen lautet, dass im Gehirn etwas passiert, dass die Regulierung von Atmung und Schlaf stört. Da setzte Harrington an und wurde fündig. Mit einem Team untersuchte sie getrocknete Blutproben von verstorbenen Säuglingen und verglich diese mit gesunden Babys. Es zeigte sich, dass das Enzym Butyrylcholinesterase (BChE) bei den Säuglingen, die an SIDS verstorben waren, sehr viel weniger aktiv war. BChE sorgt dafür, dass bei Atemaussetzern ein Weckmechanismus in Gange kommt und die Babys aus dem Schlaf aufschrecken. Bei gehemmter Aktivität des Enzyms funktioniert dieser Weckmechanismus nicht und das Kind erstickt, ohne etwas davon zu merken. Diese Erkenntnisse machen Hoffnung für die Zukunft. Auf ihrer Grundlage möchte das Forschungsteam nun ein Screening entwickeln, um Risiko-Babys zu identifizieren und somit den Plötzlichen Kindstod zu verhindern.

Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. Hier geht’s zur Originalstudie: https://www.thelancet.com/journals/ebiom/