Untersuchung zeigt Verbesserungspotenzial

Veröffentlicht am 28.06.22

So unbeschwert ergeht es queeren Paaren nicht immer in der Schwangerschaft.

Wie erleben queere Menschen, die ein Kind erwarten, die medizinische Versorgung im Vergleich zu nicht queeren werdenden Eltern? Das Netzwerk Queere Schwangerschaften ging dieser Frage gemeinsam mit dem Gunda-Werner-Insitut auf den Grund. Dazu wurden 1.445 Personen (davon 554 queere) befragt zu der Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt. Im Ergebnis konnte man drei Bereiche mit Verbesserungsbedarf identifizieren:

  • Versorgungsqualität in der klinischen Geburtshilfe
  • diskriminierungssensible Aus- und Weiterbildung
  • Information/Aufklärung der Schwangeren

Die überwiegende Mehrheit der Befragten hatte in einer Klinik geboren. 23 Prozent, also fast ein Viertel, berichteten von Gewalt oder Diskriminierung unter der Geburt, 16 Prozent waren sich unsicher, ob sie Gewalt erlebt hatten. Unter den queeren Personen berichteten sogar 54 Prozent von Gewalt und damit wesentlich häufiger als cisgeschlechtliche Menschen mit 21 Prozent.

Bemerkenswert: Bei außerklinischen Geburten (die jedoch nur einen geringen Anteil ausmachten) berichtete nur ein geringer Teil der Befragten (4 Prozent) von Gewalterfahrungen. Weitere Probleme ergaben sich für die queeren Schwangeren bei Ärztinnen*besuchen. In vielen Fällen hatten Sie Angst vor Diskriminierung, bei etwa der Hälfte setzte die behandelnde Person automatisch Heterosexualität voraus. Zudem wurden bei nur 32 Prozent der trans* und intergeschlechtlichen Personen Namen, Anrede und Pronomen korrekt verwendet. Ein drittes Problem besteht darin, dass queere Personen sich in den vorhandenen Informationen zu Schwangerschaft und Geburt oftmals nicht repräsentiert fühlen und mehr Aufwand betreiben mussten, um an passende Informationen zu gelangen. Das Netzwerk Queere Schwangerschaften leitet aus diesen Ergebnissen eine Reihe von Forderungen ab, so unter anderem eine flächendeckende klinische Versorgung sowie die Eins-zu-eins-Betreuung unter der Geburt. So fordert es auch der Deutsche Hebammenverband. Weitere Informationen finden sie hier: www.unsere-hebammen.de/hebammentag-2022/.

Sie möchten mehr zu den Umfrageergebnissen wissen? Hier geht’s zur Originalpublikation: Policy Paper Queer und schwanger