40 Jahre Reproduktionsmedizin in Deutschland

Veröffentlicht am 10.05.22

Dass Kinder per künstlicher Befruchtung entstehen, ist 2022 keine Seltenheit mehr. Bereits 340.000 Menschen wurden in Deutschland mithilfe reproduktionsmedizinischer Maßnahmen gezeugt. Doch bis In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder interzytoplasmische Spermieninjektion (ICSI) zu Standardbehandlungen wurden und lange vor der Gründung von rund 130 Kinderwunschzentren, an die sich Paare wenden können, wenn die ersehnte Schwangerschaft ausbleibt… vor 40 Jahren war dies alles noch eine medizinische Sensation und für viele Science-Fiction. Im April 1982 wurde in Deutschland das erste „Retortenbaby“ geboren. Oliver wurde per IVF gezeugt und kam gesund per Kaiserschnitt zur Welt. Damals noch exklusiv vom ZDF begleitet, möchten er und seine Familie seitdem privat bleiben und sich auch zum 40. Geburtstag nicht öffentlich äußern. Nichtsdestotrotz war Olivers Geburt der Anfang einer nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung.

Die Nachfrage nach künstlicher Befruchtung ist heute ungebrochen, allein 2020 wurden 62.000 Frauen reproduktionsmedizinisch behandelt. Die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Befruchtung liegt bei etwa 31 Prozent. 22 Prozent der Behandlungen führen zu einer Geburt. Heute gibt es Regularien für die Behandlungen, im Jahr 1982 war das nicht der Fall. Erst nach der Geburt von Oliver wurden entsprechende Gesetze erlassen, u.a. das Embryonenschutzgesetz. Aber hier besteht Überarbeitungsbedarf, so lauten manche Forderungen. Sich künstlich befruchten zu lassen, ist sehr kostspielig und nicht nur das erschwert den Zugang zur Reproduktionsmedizin. Bisher werden heterosexuelle, verheiratete Paare bevorzugt behandelt, ihnen erstatten die Krankenkassen bei drei Versuchen die Hälfte der Behandlungskosten. Lesbische Paare müssen dagegen alles aus eigener Tasche zahlen. Die Ampelkoalition möchte hier ansetzen und reproduktionsmedizinische Maßnahmen allen zur Verfügung stellen unabhängig von Sexualität oder Familienstand. Auch eine Legalisierung der bisher verbotenen Eizellspende soll geprüft werden.

Quellen: Ärztezeitung/Deutschlandfunk