Der Hebammenkompass

Veröffentlicht am 06.02.24

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Das Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) hat einen Hebammenkompass herausgegeben. Teil 1 beschäftigt sich mit Versorgungsangeboten durch Hebammen. Ziel ist es, damit eine Datenlücke zu schließen. Denn nach wie vor gibt es keine validen Daten, wie viele Hebammen in Deutschland tätig sind und welche Leistungen sie in welchem Umfang erbringen. Natürlich bestehen Näherungswerte: Die Vertragspartnerliste erfasst alle freiberuflich tätigen Hebammen. Über die gesetzlichen Krankenkassen kann man die abgerechneten Leistungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ermitteln. Der Hebammenkompass möchten Daten zur Hebammenversorgung in Deutschland bereitstellen. Dazu nutzte man Datensätze verschiedener Behörden, die Geburten und Regionen nach ihrer sozioökonomischen Lage erfassen. So kann man sich informieren, wie die Hebammenversorgung pro Bundesland aufgestellt ist. Einschränkung: Es können nur Daten für freiberuflich tätige Hebammen dargestellt werden, da angestellt Hebammen über Fallpauschalen (DRGs) erfasst werden. Aus den DRGs lassen sich keine Rückschlüsse auf die Geburtenzahl pro Hebamme ziehen.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Daten zur Geburtenanzahl in Deutschland sind bekannt: 780.000 Geburten pro Jahr, davon ca. ein Drittel per Sectio, wobei große regionale Unterschiede bestehen: So weist Sachen für das Jahr 2021 eine Sectio-Rate von 22,8 auf, während im Saarland 34,0 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt erfolgen. Bezogen auf das Jahr 2021 wird außerdem dargestellt, wie viele (freiberufliche) Hebammen pro Geburt zuständig wären, wen jede Frau Zugang zu Hebammenbetreuung hätte: Die Zahlen variieren je nach Region zwischen 36 (Schleswig-Holstein) und 47 (Baden-Württemberg). Interessant ist der Blick auf die Geburtsbegleitung: In fast allen Bundesländern begleiten überwiegend angestellte Hebammen die Geburten, nur in Bayern liegt die Anzahl der angestellten Hebammen mit Beleghebammen im Krankenhaus gleich auf. Auch der Anteil der Dienstbeleghebammen (bezogen auf 2021) schwankt stark je nach Region. So gibt es in Bremen gar keine Dienstbeleghebammen, während deren Anteil in Bayern 66,6, Prozent beträgt. In den übrigen Bundesländern schwankt dieser Wert zwischen 5,5 und 25,1.

Fazit

Hebammenversorgung muss bedarfsgerecht geplant werden. Denn derzeit findet häufig eine Überversorgung (unnötige Interventionen aufgrund erhöhte Pathologisierung der Geburt) oder Unterversorgung (eingeschränkter Zugang zu Hebammen) statt. Beides wirkt sich negativ auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus. Daher möchte der Hebammenkompass einen Beitrag liefern um eine bessere Datengrundlage für entsprechende politische Planungen zu liefern.

Hier können Sie die einzelnen Analysen einsehen: Versorgungskompass: Geburtshilfe und Hebammenversorgung.