„Schwere Geburten“ gibt es überall

veröffentlicht am 17.07.26

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Die menschliche Geburt ist ein anatomischer Kompromiss zwischen einem schmalen Becken und einem großen Kopf. Das sogenannte „obstetrische Dilemma“, das erstmals 1960 benannt wurde, beschreibt eine Diskrepanz in der menschlichen Entwicklung. So hat der aufrechte Gang zu einem schmaleren Becken geführt. Gleichzeitig wuchs das Gehirn des Menschen. Bei einer Geburt treffen diese Umstände aufeinander mit einem erhöhten Risiko für Geburtskomplikationen. Aufgrund des aufrechten Gangs ging man lange davon aus, dass es sich um einen einzigartigen anatomischen Sonderfall handelt. An der Universität Wien untersuchte Nicola Grunstra, ob ähnliche Phänomene auch in der Tierwelt zu beobachten sind. Dazu wurde Wissen aus Veterinärmedizin, Biologie und Feldforschung bei Säugetieren zusammengetragen, sowohl von Nutztieren als auch von wildlebenden Tieren. Tatsächlich haben viele Arten mit Problemen bei der Geburt zu kämpfen. So sind beispielsweise die Komplikations- und Sterblichkeitsraten von Hirschen und Antilopen mit menschlichen Populationen ohne medizinische Versorgung vergleichbar. Die Natur konnte diesen Konflikt offenbar bisher nicht lösen. Zwar wäre ein kleinerer Nachwuchs u.a. bei Delfinen und Walen mit weniger Geburtsrisiko verbunden. Aber größere Neugeborene haben langfristig bessere Überlebenschancen. Aus der Studie wird deutlich, dass der Mensch keineswegs allein ist mit dem Risiko für Geburtskomplikationen. Vielmehr ist menschliche Geburt ein Variante eines biologischen Musters, das viele Säugetiere betrifft.

Quelle: Biological Reviews