Lediglich Anhaltspunkte

veröffentlicht am 16.10.26

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Ob das angeborene Geschlecht sich auch ohne äußere Faktoren auf das spätere Leben auswirkt, daran scheiden sich die Geister. Sind Mädchen von Natur aus sozialer und Jungs eher an Technik interessiert? Das ist aus vielerlei Gründen schwierig zu testen: Zum einen sind Experimente mit Neugeborenen stets eine ethische Herausforderung, zum anderen spielen äußere Faktoren wie die Erziehung quasi gleich am Beginn des Lebens eine große Rolle. Um diese Variablen rauszufiltern, haben bereits im Jahr 2000 Forschende aus Cambridge Babys wenige Stunden nach der Geburt getestet mit dem Ergebnis, dass die Mädchen Gesichter bevorzugen und Jungs lieber auf Objekte schauen. Die Studie hatte jedoch einige methodische Schwächen, daher wurde sie nun vom gleichen Forschungsteam mit besserer Methodik wiederholt. 130 Neugeborenen, im Schnitt 33 Stunden alt, also bevor die Erziehung so richtig einsetzen konnte, wurde gleichzeitig das Gesicht einer jungen Frau gezeigt, die den Kopf bewegt sowie ein Video von einem Pendel, dessen Metallkugeln hin- und herschwingen. Versteckte Kameras zeichneten die Augen der Babys auf. Das Ergebnis: Die Mädchen nutzen 58,5 Prozent ihrer Blickzeit für das Gesicht und 41,5 Prozent für das Pendel. Bei den Jungs lag das Verhältnis bei 51,2 Prozent beim Gesicht und 48,8 Prozent beim Pendel, also nahezu ausgeglichen. Was lässt sich daraus schließen? Mädchen bevorzugen Gesichter, aber Jungs bevorzugen nicht zwangsläufig Objekte. Die Forschenden betonen, dass sich daraus allenfalls Anhaltspunkte ableiten lassen, die auf eine pränatale Prägung hinweisen. Das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht bestimme jedoch nicht, wie sich die Kinder später entwickeln.

Quelle:  Biology of Sex Differences