Stillen und Scharlach
Veröffentlicht am 16.12.25

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Dass beim Stillen potenziell schädliche Stoffe aus der Muttermilch auf das Kind übergehen können (z.B. bei Alkohol-, Medikamenten- oder Nikotinkonsum), ist weithin bekannt. Aber wie verhält es sich andersherum? Wie geht man vor, wenn das Kind schädliche Viren oder Bakterien beim Stillen auf die Mutter überträgt? Mit dieser Frage sah sich Dr.in Sonja Dahmann, plastische Chirurgin am Universitätsklinikum Münster (UKM), konfrontiert. Sie behandelte eine Mutter mit lebensbedrohlicher Brustentzündung und stieg tiefer in das Thema ein. Die Gefahr lag in diesem besonderen Fall ausgerechnet beim Stillen – das Kind der Patientin war an Scharlach erkrankt, die auslösenden Bakterien, Streptokokken, waren vom kindlichen Mund auf die mütterliche Brust übertragen worden. Da diese Kombination äußerst selten ist, machte sich Dr.in Dahmann auf die Suche und fand sechs weitere Fälle. In einer Literaturanalyse macht sie gemeinsam mit Kolleginnen* des UKM auf den Zusammenhang aufmerksam und schlägt ein Schema zur Vermeidung der Übertragung vor. Sie betont, niemandem vom Stillen abhalten zu wollen. Sollte aber der Säugling an Scharlach erkranken, muss dies zunächst per Schnelltest bei der Kinderärztin* bestätigt und mit Antibiotika behandelt werden. In den ersten 24 Stunden der Behandlung empfiehlt sie, das Stillen zu unterbrechen und beispielsweise mit abgepumpter Milch zu füttern. Anschließend kann weitergestillt werden. Ob dieses Vorgehen erfolgreich ist, müssen klinische Studien zeigen.
Quelle: The Lancet Infectious Diseases