Langanhaltende Folgen

Veröffentlicht am 14.04.26

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Welche körperlichen Auswirkungen eine Sectio haben kann, ist gut untersucht. Weniger Daten liegen für die psychischen Auswirkungen eines ungeplanten Kaiserschnitts vor. Ein Team der Harvard Medical School analysierte Daten von 1.146 Frauen aus einem Krankenhaus während der perinatalen Betreuung. Mithilfe des Peritraumatic Distress Inventory (PDI) ermittelte man die akute Stressreaktion nach der Geburt (im Durchschnitt 31 Stunden post partum). Eine Teilgruppe von 795 Frauen wurde zusätzlich zwei Monate später erneut befragt. Bei 192 Frauen aus der Gesamtstichprobe wurden die Kinder per ungeplanter Sectio geboren. 70 Prozent der Teilnehmerinnen gebaren vaginal. 10,5 Prozent aller untersuchten Frauen litten an klinisch relevantem Stress. Der Anteil der akuten Stressreaktionen war am höchsten in der Gruppe mit ungeplantem Kaiserschnitt, er lag bei 26,6 Prozent. Dem gegenüber litten „nur“ 6,3 Prozent der Frauen nach vaginaler Geburt an klinisch relevantem Stress. Dieser äußerte sich in körperlichen Reaktionen, Hilflosigkeitsgefühlen, einer empfundenen Ohnmacht und sogar Todesangst (14,6 Prozent nach ungeplanter Sectio). Ein weiteres Ergebnis ist der Befund, dass bei den Teilnehmerinnen nach vaginaler Geburt die Stressreaktionen abnahmen, während sie in der Gruppe nach ungeplanter Sectio stabil blieben. Die Gefahr: Der akute Stress kann sich in psychischen Erkrankungen wie PTBS oder Depressionen manifestieren. Daher plädieren die Forschenden für ein frühzeitiges Screening, um rechtzeitig intervenieren zu können.

Quelle: springermedizin.de